Plötzlich Pflegefall – Was nun?

Wir für Niederkassel, unsere Bürgerstiftung, hatte anknüpfend an den Vortragsabend über Demenz – Vorbeugen und Behandeln – wieder in die Rotunde des Schulzentrums Nord eingeladen. Erneut kamen interessierte Bürger und Bürgerinnen zum Thema:  Plötzlicher Pflegefall – Was nun?

Dr. Ulrich Sprenker, Vorstandssprecher der Bürgerstiftung, begrüßte das Auditorium und freute sich besonders auf die Vortragenden des Abends. Mit neuen Ansätze in der Versorgungsforschung sowie Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen sollten die Zuhörenden zur Pflegevorsorge Neuigkeiten erfahren.

Zu Beginn gab Frau Manuela Malek, M.Sc. und wissenschaftliche Mitarbeiterin des deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen, DZNE, in Witten einen Einblick in die Versorgungsforschung am Beispiel Demenz. Hier können Pflege und Versorgung eindeutig stabilisiert und optimiert werden, um den Alltag deutlich zu entlasten. Wichtig ist eine rasche und frühzeitige Beantragung und Etablierung der zur Verfügung stehenden Hilfsangebote. Ein enorm wichtiger Aspekt, da die meisten Menschen mit Demenz zu Hause leben und von den Angehörigen versorgt werden. 

Nachfolgend belegte Frau Karin Ludwig, Abteilungsleiterin im Kreissozialamt in Siegburg, zunächst nochmals die Aussage von Frau Malek mit ernüchternden Zahlen. Im Rhein-Sieg-Kreis leben über 45.000 pflegebedürftige Menschen, nur 11% sind in Pflegeeinrichtungen untergebracht. 89% werden zu Hause versorgt, davon 66% nicht durch professionelle Dienste, d.h. hier geschieht die Pflegeversorgung als tragende Säule der aktuellen Pflegelandschaft durch Angehörige, Bekannte und Nachbarschaftshilfen. Mit Eintritt der Generation „Babyboomer“ wird die Anzahl der Hochaltrigen (über 80 –Jährigen) und somit der Pflegebedarf in den nächsten Jahren weiter steigen. Eine weitere Aufwertung der Pflegeberufe ist dringend erforderlich, mehr Pflegeeinrichtungen müssen geschaffen werden.

Kommt es zu einem Pflegefall, sollte frühzeitig mit einer Antragsstellung auf Unterstützung und Hilfe zur Pflege, Pflegewohngeld, Sozialhilfe oder auch nur mit vorsorglichen Anträgen begonnen werden. Bitte warten Sie nicht zu lange, da Fristen einzuhalten sind, mahnte Frau Ludwig. Sie unterstrich zudem stark das rechtzeitige Vorsorgen. Vollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen werden allzu oft auf die lange Bank geschoben, wichtige Dokumente fehlen dann oft beim plötzlichen Pflegefall. Abschließend zeigte sie pflegende Wohnformen im Alter auf. Pflegedienste bieten Selbst- und Anbieter-verantwortete WGs an. Es gibt Senioren-Wohngemeinschaften bis zu 12 Personen mit individueller Zubuchung von Pflege und Betreuung, es entstehen neue Wohnquartiere mit ambulanter und auch vollstationärer Versorgung, um einige Beispiele zu nennen.   

Im letzten Vortrag stellt Herr Dirk Misiak, Mitarbeiter des Sozialamtes der Stadt Niederkassel und zuständig für die Senioren- und Pflegeberatung, das Hilfsangebot der Stadt vor. In Niederkassel gibt es neben den bekannten Seniorenhäusern 7 ambulante Pflegedienste. Ein umfassendes Casemanagement zu allen Fragen rund um die Pflege und Unterstützungshilfen wird angeboten. Auch Herr Misiak betonte nochmals, sich rechtzeitig über Hilfsangebote sowie Vollmachten und Verfügungen beraten zu lassen. Nutzen Sie die Möglichkeit zu individuellen Beratungsterminen.  

Nicht zu vergessen ist auch die Anfrage bei der zuständigen Krankenkasse, die Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen zur Pflege ebenfalls anbieten müssen. Leider machen sich hier viele Krankenkassen einen schmalen Fuß und verweisen gerne auf die Sozialämter, so der Tenor der Vortragenden.

Vielschichtige Fragen und Diskussionsbeiträge unterstrichen das starke Interesse am Thema Plötzlicher Pflegefall. Nicht alle Fragen konnten eindeutig beantwortet werden. Bankvollmachten oder Grundbesitzangelegenheiten sollten am besten juristisch geklärt werden.

Wir für Niederkassel, unsere Bürgerstiftung, bedankte sich nach gut 90 Minuten mit leckerem mediterranen Öl bei den Vortragenden. Informationsmaterial der Sozialämter lag zur Mitnahme für die Zuhörenden aus.

Das Fazit des Abends – Es gibt viele Möglichkeiten, beginnen Sie früh mit der Pflegeversorgung uns so sind Sie gut auf einen plötzlichen Pflegefall vorbereitet.